2.000 demonstrieren in Hannover gegen Abschottung der EU

In Hannover haben heute bis zu 2.000 Menschen friedlich gegen die menschenverachtende Abschottungspolitik der EU und den gesamteuropäischen Rechtsruck demonstriert. Ein Protestbündnis aus linksradikalen Einzelpersonen und Gruppen, hatte – in Reaktion auf die Beschlüsse des EU-Gipfels – vor einer Woche zu der Demonstration aufgerufen. Verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen und einige Parteiverbände schlossen sich dem Aufruf an.


Die Demonstration unter dem Motto: „Das ist der Gipfel – Elend. Abschottung. Massensterben. – Für das Ende der Gewalt“, setzte sich mit etwa 1.000 wütenden Menschen gegen 14.30 Uhr am hannoverschen Opernplatz in Bewegung und schwoll im weiteren Verlauf auf bis zu 2.000 Personen an. Für Zwischenkundgebungen hielt der Protestzug vor dem Hauptbahnhof sowie auf der Goseriede. Redebeiträge richteten sich vor allem gegen das europäische Grenzregime und Parteien, die europaweit versuchen, aus der gegenwärtigen Stimmungslage Kapital zu schlagen, während die Sprechenden ebenfalls die bereits jetzt unhaltbaren Zustände an den europäischen Außengrenzen anprangerten. Zudem kritisierten sie das Handeln der europäischen Spitzenpolitik scharf.

Beiträge kamen unter anderem vom Flüchtlingsrat Niedersachsen, Solinet Hannover, dem Friedensbüro Hannover, dem Verband der Studierenden aus Kurdistan Hannover (YXK) und dem Netzwerk kritische Migrations- und Grenzregimeforschung (kritnet). Während der Abschlusskundgebung hielt außerdem einer der Kapitäne der Organisation Seawatch eine eindringliche Rede und forderte die Verantwortlichen auf, die festgesetzten Schiffe frei zu geben um ihnen das Retten von Menschenleben endlich wieder zu ermöglichen. Zudem wurde während der Demonstration eine Solidaritätserklärung der Mannschaft des Rettungsschiff Lifeline verlesen. Das derzeit ebenfalls auf Malta festgehalten wird. Zum Abschluss wandte sich das linksradikale Organisationsteam in einem Redebeitrag an die noch versammelten Menschen, kritisierte den europaweiten Rechtsruck und forderte entschlossenes, solidarisches Handeln dagegen ein. Gegen 16.40 Uhr wurde die Demonstration an der Marktkirche durch die Veranstalter offiziell beendet.

Parallel hatte die internationale Bewegung Seebrücke dazu aufgerufen, bundesweit Demonstrationen zu organisieren. Nicht nur die hannoverschen Initiatoren schlossen sich dem an: Im Laufe des Tages demonstrierten etwa 12.000 Menschen in Berlin, 1.500 in Hamburg und etwa 1.000 in Bremen. Zur Stunde protestieren in Frankfurt und Leipzig je etwa 1.000 Menschen gegen die Abschottung Europas und gegen die Kriminalisierung von Flucht und Seenotrettung.

„Die Seebrücke ist eine internationale Bewegung aus der Zivilbevölkerung. Jeder, auch DU kannst die Seebrücke sein! Wir fordern sichere Fluchtwege, eine Entkriminalisierung der Seenotrettung und eine menschenwürdige Aufnahme von geflüchteten Menschen. Wir wollen Seenotrettung statt Abschottung!“

erklärt die Bewegung etwa auf Facebook.

Die Veranstalter aus Hannover zeigen sich mit dem Protest hochzufrieden:

„Es ist uns in wenigen Tagen gelungen, heute in Hannover 2.000 Menschen auf die Straße zu bewegen! Auch in anderen deutschen Städten waren Tausende für das Ende der Gewalt auf der Straße. Das zeigt, dass viele Menschen nicht mehr länger bereit sind, den Umbau Europas zu autoritären Nationalstaaten hinzunehmen. Wir alle haben heute ein deutliches Zeichen gegen den Ausbau Europas zur Festung gesetzt und unserem Unmut darüber Ausdruck verliehen. Das kann aber erst der Anfang gewesen sein. Es kommt jetzt darauf an, widerständige Strukturen zu etablieren und den Protest zu verstetigen. Die Spitzenpolitik muss merken, dass wir dem scheinbar alternativlosen, ausufernden Rechtsruck etwas entgegensetzen wollen und werden!“

so Paul H., Anmelder der Demonstration.

Die ersten Fotos der Demonstration finden sich bei dem Kollegen Felix Dressler und können zur Berichterstattung frei verwendet werden:

https://www.flickr.com/photos/felixdressler/albums/72157668880047087/with/28389493347/

 

2 Gedanken zu „2.000 demonstrieren in Hannover gegen Abschottung der EU“

  1. fand alle Redebeiträge wichtig und engagiert, aber vor allen der Redebeitrag des linksradikalen Organisationsteams, indem es darum ging, angesichts dieses massiven Rechtsrucks auch die Taktiken und Inhalte der radikalen Linken zu hinterfragen und angesichts der zum Teil hysterischen Angst in der Bevölkerung dieser eine positive Utopie entgegenzusetzen. Meine Frage ist, ob es diesen Beitrag oder ein ähnlichen Text schriftlich gibt und oder wie man Kontakt zu den Leuten aufnehmen kann.

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